In Gedenken

Das Internet und seine Traumwelt oder wenn man sich in den Tiefen des Internets verliert....

So geschah es schon vor vielen Jahren.....

Den einen oder andere hat das schwer geschadet - und kamen dann noch reelle Probleme in der Partnerschaft und im Beruf dazu, dann ging das irgendwann total schief.

Leider habe ich damals den “Hilfeschrei” einer dieser Personen nicht verstanden, noch heute kann ich nicht richtig den Suizid nachvollziehen, aber es scheint so, dass im Endeffekt die so “tollen” Internetfreunde und damit ihre Traumwelt gar nicht so taff waren...

Hier eine “Geschichte” die mir die betreffende Person damals per Mail übermittelte - wenn man diese intensiv liest und sich nicht davon ablenken lässt dass die betreffende Person damit eine “Internetfreundschaft” beschreibt kann man eventuell manches nachvollziehen.

Vielleicht interpretiere ich auch zu viel hinein......

 

Der Eisbär und das Mädchen

Es war kalt draußen....

eiskalt....

eigentlich so wie immer, doch dieses mal gesellte sich noch ein tobender Sturm dazu....

und es schien, als würde er die Kälte des Eises in die Herzen der Menschen bringen...

doch diesmal sollte er sich täuschen...

So war es ruhig im ganzen Dorf... diese endlose Stille der Menschen und der

tobende Sturm draußen vor der Tür ließen das Mädchen erwachen.

Sie streckte erst ihren kleinen Füße dann ihre kleinen Hände unter dem warmen Eisbärfellweit aus,

tanzte ein wenig mit den Füssen im Takt des Windes, hob schließlich den Kopf und schaute sich in der Dunkelheit der Hütte um...

Ihre Eltern schliefen noch fest und auch ihr großer Bruder...

das Feuer brannte nicht mehr, nur noch Asche bedeckte die Glut....

die frischen Felle lagen noch auf dem Tisch und auch das Blut in der Schale war noch frisch....

Sie stand leise auf und ging mit nackten Füssen an den Tisch, wo das große Eisbärfell lag....

wie wohl Dein Name war gewesen ??? dachte sie lies ihre Hand über das noch weiche und leicht warme Fell gleiten....

auf welchem Weg warst Du wohl gerade ??? dachte sie und ihre Hand glitt zu den Ohren....

ob jetzt wohl jemand auf Dich wartet ??? dachte sie und blickte traurig zur Schale und eine ihrer winzigen Tränen fing sich darin...

Sie ging ans Fenster, Eisblumen bedeckten es und sie kratze ein wenig daran um

ihre Form zu verändern um zu spielen, denn nach spielen war ihr jetzt irgendwie zumute,

denn um so trauriger sie war, desto mehr mochte sie spielen, denn im Spiel vergas sie alle ihre Sorgen...

Doch was war dass ??? war da nicht draußen eben ein Schatten zwischen den alten Hütten vorbei gehuscht ???

Sie rieb schnell mit ihrem Hemdchen die Eisblumen weg um mehr zu sehen... um tiefer in die stürmische Nacht zu blicken....

war da nicht was gewesen ???

Sie war neugierig und auch wenn es ihre Eltern und ihr großer Bruder tausendmal....

ja tausendmal gesagt hatten, sie solle des Nachts niemals alleine vor die Hütte gehen,

denn draußen in der Nacht lautern viele Gefahren, doch diesmal siegte die Neugierde

und ehe sie es sich versah, stand sie schon draußen, alleine draußen in der Nacht.

Die Tür fiel zu vom Winde und sie erschrak zu ersten Male und

erinnerte sich schlagartig an die Worte... gehe niemals alleine des Nachts vor die Hütte...

Nun, jetzt war sie draußen und wenn sie so recht überlegte, hielt sich ihre Furcht

in Grenzen und dennoch ertappte sie sich, dass sie regungslos dastand und auch kurz den Atem anhielt....

dann sah sie ihn wieder....

den Schatten, da....

dahinten

hinter der letzten Hütte im Dorf, da huschte er vorbei....

jetzt wollte sie es ganz genau wissen...

sie folgte ihm, so schnell ihre kleinen Füße es zuließen....

Der Schatten schien sich schneller zu bewegen als sie ihm vermochte zu folgen

und endlich an der letzten Hütte im Dorf angekommen, war er nicht mehr da....

weiter raus gehen ??? überlegte sie und schaute sich zu ihrer Hütte um,

sie warschon ganz schön weit weg und doch noch weitergehen ???

dem Schatten folgen ??? raus in die unendliche Weite des ewigen Eises ???

hatte ihr Vater sie nichtsehr streng davor gewarnt, sich niemals alleine vom Dorfe weg nach draußen zu begeben ...

Und doch, die Neugierde war stärker...

wo war der Schatten abgeblieben ??? und vor allem...

was oder wer war er ???

Und so ging sie Schritt für Schritt hinaus in die unendliche Weite des ewigen Eises....

Sie wusste nicht mehr wie lange sie so ging als sie eine Eishöhle entdeckte....

ihr war kalt und der Wind lies die Kälte auf ihrem Gesicht tanzen...

so beschloss sie kurz in der Höhle Schutz zu suchen....

Sie trat ein...

ihre Augen brauchten eine kurze Weile, um sich an die Dunkelheit im Inneren zu gewöhnen...

dann sah sie ihn....

Er stand in einer Ecke der Höhle und starrte sie mit großen Augen an....

sie erschrak und fragte, wer bist Du ???

Das fragst gerade Du ??? antwortete Er...

was machst Du hier ??? fragte sie....

Das fragst gerade Du ??? antwortete Er...

Warum ich ??? sagte sie, was ist mit mir ???

Du hattest als einzige Mitleid mit mir heute Nacht sagte er....

heute Nacht ??? fragte sie, warum heute Nacht was meinst Du ???

Heute Nacht sang für mich der Wind des Eises ein trauriges Abschiedslied und Du versüßtest mir den Abschied mit der einzigen Träne, die je ein Wesen auf der Welt für mich vergossen hat...

ich habe es selbst gesehen, durchs Fenster sagte Er...

Die Schale voller Blut, sofort fiel es dem Mädchen ein und sie senkte den Kopf...

es war also Dein Fell auf dem Tisch ???

ja so ist es, es war mein Fell sagte Er...

es tut mir leid, so verdammt leid...

die Tränen rollten ihr über die Wangen und ihre Stimme brach.....

aber...

sagte sie....

schweig !!! sagte Er, es ist genug der traurigen Worte, alles hat seine Zeit mein kleines Mädchen und es war jetzt wohl die meinige....

und nun geh....

geh wieder hinaus und lass mich alleine hier in Frieden sterben,

meine Seele ist noch wach, doch jetzt ist’s auch an der Zeit, dass sie weiterreist....

Du hast mir mehr Liebe in diesen wenigen Stunden geschenkt als ich mein ganzes Leben lang besessen habe, aber jetzt bitte...

geh...

ich flehe Dich an, lass meine Seele gehen ihren letzten Weg in die unendliche Weite des Seins...

Ich werde Dich vermissen sagte sie unter Tränen...

siehst Du sagte er, jetzt weißt Du alles....

auf welchem Weg ich war...

nämlich zu Dir....

wer jetzt wohl auf mich wartet....

nämlich Du....

und wie mein Name wohl war gewesen...

ja das meine Kleine, ja das überlasse ich Dir...

gibt mir einen, denn niemals habe ich einen richtigen Namen getragen,

doch bedenke, wenn Du mir jetzt einen Namen gibt’s werde ich in Deiner Seele unsterblich werden...

Ich werde Dich Hoffnung nennen sagte das kleine Mädchen tapfer, denn Hoffnung soll in meiner Seele unsterblich werden....

und so kann ich hoffen, Dich vielleicht in einer anderen Welt noch mal zu treffen...

Jetzt lächelte Er zum ersten Mal und sagte, ja so soll es sein...

ein schöner Name, den Du mir da gegeben hast...

so hoffe ich auch, Dich wieder zusehen in einer anderen Welt...

adieu meine kleine Seelenwächterin....

adieu....

Der Eiswind tobte und als sie langsam zurückging verwischte er alle ihrer beider Spuren..

 

 

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